Parteitag der Angst bei der CSU

Parteitag der Angst bei der CSU
  • Christsoziale kämpfen ums Überleben
  • Grundsatzprogramm kopiert AfD-Positionen
  • Seehofer beleidigt Wähler als „Leberkäs-Etage“

MÜNCHEN. „Große Multimediashow statt Inhalte, keine Aufbruchsstimmung für die nächsten Wahlkämpfe und ein Grundsatzprogramm, das weitestgehend von der AfD abgekupfert ist“: Dieses Fazit hat der bayerischer AfD-Landesvorsitzende Petr Bystron nach dem CSU-Parteitag in München gezogen. Die Ankündigung von Ministerpräsident Horst Seehofer, die CSU wolle „nationalkonservativen und wertkonservativen Bürgern eine Heimat bieten“, hält Bystron für Wählertäuschung. „Die CSU steht seit Monaten trotz aller trotzigen Drohgebärden aus München immer noch nibelungentreu zur Merkel-CDU und deren Politik unkontrollierter Zuwanderung und großer Sicherheitsrisiken für die heimische Bevölkerung“, sagte der AfD-Landeschef.

Die CSU hat nach seiner Meinung „in München einen Angstparteitag abgehalten“. Nach fünf nacheinander für die Union verlorenen Landtagswahlen gehe in der CSU die berechtigte Angst vor einem Bedeutungsverlust auch in Bayern um. Laut Umfragen liegt die CSU derzeit nur noch bei 44 Prozent,  die AfD bei rund zehn Prozent. Bystron stimmte daher Seehofer zu, als dieser sagte: „Das wird ein existenzieller Wahlkampf für die CSU. Wenn wir 2017 verlieren, werden wir 2018 nichts gewinnen“.

Dem AfD-Landeschef fiel auf, wie „langatmig und kraftlos die Rede von Seehofer war und wie auffallend dünnen Applaus er erhielt“. Die weitgehende Übernahme von AfD-Positionen in Sachen Volksabstimmung, Zuwanderungsbegrenzung  sowie Kritik an Multikulti und Islam werden die Wähler der CSU nicht glauben, ist sich Bystron sicher. Die könnten nämlich sehr gut zwischen Original und Kopie unterscheiden. Mittlerweile wisse jeder: wer CSU wählt, bekommt auch nach 2017 weiterhin CDU-Politik mit Merkel als Kanzlerin. „Die CSU bleibt eine auf Bundesebene unbedeutende Regionalpartei, die in Berlin völlig machtlos ist“, sagte Bystron.

Der Parteitag sei von Existenzängsten der CSU geprägt gewesen. Von der Union liefen im konservativen Lager sowohl Wähler als auch Mitglieder in Richtung AfD über. Auf der entgegengesetzten Seite fühlt sich die CSU vom Schreckgespenst einer Rot-rot-grünen Bundesregierung bedroht. Gleichzeitig lähmt der unionsinterne Streit über die politische Richtung die C-Parteien“, erklärte der AfD-Landesvorsitzende. So musste Seehofer beim Parteitag ausdrücklich betonen, „die CDU ist nicht unser Gegner“ und dass er nicht garantieren könne, sich mit Merkel und der CDU in der Flüchtlingspolitik zu verständigen. „Das alles, wie auch die Abwesenheit der Kanzlerin als Parteitags-Gast zeigte, wie verängstigt, ratlos, mutlos und zerstritten die Union ist“, sagte Bystron.

Seehofers Hinweis, die CSU wolle ihr Ohr näher am Bürger haben und sich mehr um den „kleinen Mann“ kümmern, bezeichnete der AfD-Politiker als unglaubwürdige Anbiederung. Zudem habe Seehofer beim Parteitag diese Zielgruppe als „Leberkäs-Etage“ bezeichnet, was eine inakzeptable Diffamierung darstellt, betonte Bystron.

 

Foto: Screenshot Youtube Liveübertragung CSU Parteitag Phoenix

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